Gute Aussichten für die Schwellenländer

Da die sogenannten Schwellenländer die Covid-19-Krise besser bewältigen als der Rest der Welt, dürften die dortigen Unternehmen von einem günstigeren wirtschaftlichen Umfeld profitieren.

„Wir sind optimistisch hinsichtlich der Schwellenländer, da es sowohl Bewertungs- als auch wirtschaftliche Argumente gibt, die für diese Regionen sprechen“, so Xavier Hovasse, Head of Emerging Equities bei Carmignac.

Obwohl die Pandemie in Asien begann, war 2020 die Zahl der Coronavirus-Fälle pro Million Einwohner in der Region sowie in Lateinamerika (mit Ausnahme von Brasilien) deutlich geringer als in Europa oder in den USA. Der erfolgreiche Umgang mit der Gesundheitskrise hat sich sehr positiv auf die Schwellenländer ausgewirkt. Darüber hinaus war in einigen Ländern, insbesondere in Asien, die finanzielle Unterstützung der Wirtschaft im Jahr 2020 weitaus geringer als in Europa und in den USA. In Asien wurden staatliche Hilfen von weniger als 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bereitgestellt, verglichen mit mehr als 6 Prozent in Europa und über 8 Prozent in den USA.

In den Schwellenländern, vor allem in China, gab es daher viel früher Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung als in den Industrieländern. So erreichte die chinesische Industrieproduktion bereits im vergangenen Sommer wieder das Vorkrisenniveau, sodass Chinas Exporteure im vergangenen Jahr Marktanteile hinzugewinnen konnten. Folglich wird erwartet, dass die chinesische Wirtschaft in diesem Jahr um 8,2 Prozent wachsen wird, nach einem Anstieg von 1,9 Prozent im Jahr 2020. In der Eurozone hingegen könnte das Wachstum im Jahr 2021 bei 5,2 Prozent liegen, nach einem Rückgang von 8,3 Prozent im vergangenen Jahr.

Verbesserte wirtschaftliche Fundamentaldaten könnten Unternehmen aus den Schwellenländern helfen, höhere Gewinne zu erzielen und ihre Aktienkurse zu stützen, bei denen gegenüber den Industrieländern nach wie vor Aufholbedarf besteht. Wenngleich die Aktien der Schwellenländer im vergangenen Jahr um 18 Prozent zulegten, liegt angesichts ihrer zehnjährigen Underperformance im Vergleich zu den Industrieländern noch ein weiter Weg vor ihnen.

Source: Bloomberg, 12/01/2021


„Zu einem großen Teil war die Underperformance bei den Anlagewerten der Schwellenländer auf einen starken US-Dollar-Zyklus zurückzuführen. Die Währungen der Schwellenländer haben in den vergangenen Jahren gegenüber dem Dollar abgewertet“, erklärt Joseph Mouawad, Fondsmanager für Schwellenländeranleihen bei Carmignac. „Wir sind der Meinung, dass wir nun vor einer großen Wende im Dollar-Zyklus stehen“, sagt er und fügt hinzu, dass die Maßnahmen der amerikanischen Regierung zur Unterstützung der US-Wirtschaft zu einem schwächeren Dollar führen könnten.

Abgesehen von dem günstigen Wirtschaftsumfeld stehen die Schwellenländer, insbesondere in Asien, an der Spitze der aktuellen technologischen Revolution, die sich infolge der Covid-19-Krise noch beschleunigt. Tatsächlich hat die Pandemie strukturelle Veränderungen in unserer Arbeits-, Einkaufs- und Bezahlweise und sogar in unserem Kommunikationsverhalten forciert.

„Man wird einige Gewinner der digitalen Revolution an der amerikanischen Westküste finden, die meisten aber gibt es in Asien. Asien ist der größte Gewinner der aktuellen industriellen Revolution. In China gibt es heute mehr Einhörner als in Amerika. Sie haben ein riesiges Ökosystem entwickelt“, sagt Xavier Hovasse. „Asien investiert stark in die Technologien der Zukunft. Die meisten Menschen in den Industrieländern unterschätzen, was in den asiatischen Ländern passiert“, betont er.

1 MSCI Emerging Markets Index