La Lettre d'Edouard Carmignac

[Management Team] [Author] Carmignac Edouard

April 2018 Edouard Carmignac greift zur Feder und kommentiert aktuelle wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Herausforderungen.

Paris,

 

  Sehr geehrte Damen und Herren,

 

  die meisten Börsenindizes liegen seit Jahresanfang im Minus. Und das, obwohl das Jahr 2018 mit Pauken und Trompeten begonnen hatte, das Anlegervertrauen durch gute globale Wachstumsindikatoren und Aufwärtskorrekturen der Ertragsprognosen gestärkt wurde, während weltweit offenbar weiterhin liquide Mittel in Hülle und Fülle vorhanden und gleichzeitig die Inflationserwartungen gering waren.

  Was also war passiert? Die Anleger hatten Popanz Trump „wiederentdeckt“, dessen Launen, nachdem sie zeitweilig von einer guten Regierungsmannschaft im Zaum gehalten worden waren, nun zur Destabilisierung der Märkte beizutragen begannen. Das Haushaltsdefizit dürfte sich bis Ende nächsten Jahres verdoppeln (auf 5% des BNE!). Vorausgegangen waren ein ehrgeiziges Militärausgabenprogramm und enorme Steuergeschenke, worauf eine handelspolitische Einschüchterungspolitik insbesondere China gegenüber folgte, während Amazon stellvertretend für Silicon Valley als Sündenbock für das als unzureichend betrachtete Wirtschaftswachstum herhalten musste.

  Welche Tragweite sollte man dieser zunehmenden Instabilität beimessen? Eine nicht gegenfinanzierte Steuerreform, noch dazu auf dem Höhepunkt des Konjunkturzyklus, ist durchaus ein Grund zur Sorge. Die Finanzierung dieser übermäßigen Verschuldung dürfte jedoch keinen ausgeprägten Anstieg der Zinsen zur Folge haben, falls sich der von uns erwartete Rückgang der Wirtschaftsaktivität, der durch das wachsende Haushaltsdefizit ein wenig aufgehalten wurde, bestätigen sollte. Noch weniger glauben wir an einen Handelskrieg mit China, weil die beiden Volkswirtschaften sowohl auf Ebene des Handels als auch der Finanzierung der US-amerikanischen Schulden aufeinander angewiesen sind, von der geostrategischen Schlüsselrolle Chinas in Bezug auf Nordkorea ganz zu schweigen. Die Schmäh-Tweets gegen Silicon Valley dürften ohnehin bald kein Thema mehr sein und den Hauptakteuren im Bereich Künstliche Intelligenz kaum schaden.

  Auch wenn man sie nicht überschätzen sollte, haben diese Unsicherheiten Auswirkungen auf unsere Anlagestrategie? Wohl eher nicht. Die Tatsache, dass die Regierung Trump zunehmend in Misskredit gerät, und der schrittweise Konjunkturrückgang in den USA dürften zur Dollarschwäche beitragen. Unter diesen Umständen meiden wir weiterhin europäische Aktien, die sowohl für einen weiteren Rückgang des US-Dollars als auch für eine Konjunkturabschwächung anfällig sind, auf die mehrere Frühindikatoren hinweisen. Dafür wird das Nachlassen des Drucks auf amerikanische Zinsen US-Aktien mit hoher Transparenz, unter anderem Technologiewerten, sowie dank der robusten Konjunktur in China dem gesamten Schwellenländer-Universum zugutekommen. Erdöltitel dürften weiterhin durch die voraussichtliche Verlängerung des OPEC-Abkommens bis Jahresende Auftrieb erhalten.

  Trotz der derzeitigen Volatilität der Märkte sehen wir keine Veranlassung, unsere Positionen wesentlich zu ändern. So unangenehm die instabile Situation für Sie und für das Managementteam auch sein mag, sie führt zu Überreaktionen, die wir sowohl für das Risikomanagement als auch für Gelegenheitskäufe nutzen sollten.

  Mit dieser verhältnismäßig heiteren Sicht der Dinge verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Édouard Carmignac