La Lettre d'Edouard Carmignac

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Oktober 2017 Edouard Carmignac greift zur Feder und kommentiert aktuelle wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Herausforderungen.

Paris,

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

  der langsame, gleichmäßige Anstieg der Aktienmärkte widerlegt nach wie vor die alarmierenden Prognosen. Nichts konnte den Aufschwung an den Börsen aufhalten, weder die Sorgen wegen des unangemessenen Verhaltens Donald Trumps zu Beginn des Jahres, noch die Gefahren in Verbindung mit der Populismus-Welle in Europa im Frühjahr oder das Risiko einer weltweiten Liquiditätsverknappung im Sommer.

  Sind die Aktienmärkte nach dieser Entwicklung anfällig geworden? Zunächst ist festzustellen, dass der Anstieg des globalen Index, MSCI World, keineswegs spektakulär war: In Euro betrug er gerade einmal 4,6%. Wenn man ihn mit dem Gewinnwachstum in diesem Zeitraum (+ 3,1% in Euro) vergleicht, stellt man fest, dass die Bewertung der weltweiten Aktienmärkte seit dem Jahresanfang praktisch gleich geblieben ist.

  Allerdings wurden die weltweiten Wachstumsprognosen für die nächsten zwölf Monate zwischenzeitlich nach oben korrigiert (auf 4% gegenüber 3,7% im Januar), was vor allem mit der steigenden Zuversicht in Europa und der Verbesserung der finanziellen Bedingungen der Schwellenländer zu tun hat.

  Könnten die Gefahren für die weltweite Liquidität, die inzwischen von der Fed und in geringerem Maße der EZB ausgehen, die Party an den Aktienmärkten beenden? Das ist zu bezweifeln. Obwohl in Sachen Geldpolitik ein Fehlerrisiko nicht endgültig ausgeschlossen werden kann, ist der Deflationsdruck beiderseits des Atlantiks so groß, dass die Inflationsziele der Zentralbanken außer Reichweite geraten und größere Anhebungen der Leitzinsen eher unwahrscheinlich werden. In diesem Zusammenhang würde uns die Gefahr eines Überhitzens der US-Wirtschaft aufgrund umfangreicher fiskalpolitischer Anreize Sorgen machen … wenn wir der Auffassung wären, dass die Trump-Regierung reelle Chancen hätte, ihr Vorhaben einer Steuerreform umzusetzen. Wir bleiben also vorerst gelassen.

  Mit freundlichen Grüßen

Édouard Carmignac